Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt in Bad Vigaun
Am 15. August feiert die Kirche das Hochfest Mariä Himmelfahrt, eines der ältesten und bedeutendsten Marienfeste im Jahreskreis. Es erinnert daran, dass Maria, die Mutter Jesu, am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde – ein Ausdruck tiefster Hoffnung und Freude für die Gläubigen.
Ein alter Brauch mit duftender Symbolkraft
Eine schöne Legende aus dem griechischen Raum erzählt, dass die Apostel drei Tage nach Mariens Tod ihr Grab noch einmal öffneten. Zu ihrem Erstaunen fanden sie darin nicht den Leichnam, sondern einen Sarg voller Blumen. Ein süßer Duft von Kräutern und Blüten entströmte dem Grab – ein himmlisches Zeichen, das bis heute in der Liturgie und im Brauchtum lebendig geblieben ist.
Die Kräutersegnung in Bad Vigaun
In Bad Vigaun wird dieser Festtag besonders feierlich begangen – mit dem alten und liebevoll gepflegten Brauch der Kräuterweihe. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass sich am Vorabend des Festes die Frauen der Katholischen Frauenbewegung treffen, um gemeinsam sogenannte Kräuterbuschen zu binden. Diese bestehen aus sorgsam ausgewählten Heilkräutern und Blumen, die in unserer Gegend rund um den Hochsommer in voller Pracht gedeihen.
Typische Pflanzen für diese Buschen sind unter anderem Enzian, Minze, Rosmarin, Schafgarbe, Ringelblume und Thymian – jede mit eigener Bedeutung und Wirkung. In der Zusammenstellung spiegeln sie die Vielfalt der Schöpfung wider und erinnern an die Heilkraft Gottes in der Natur. Die Sträuße werden mit Liebe und Achtsamkeit gebunden – oft unter Einhaltung bestimmter Regeln, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Am Festtag selbst, also zu Mariä Himmelfahrt, werden die Kräuterbuschen in der feierlichen Heiligen Messe in der Pfarrkirche von Bad Vigaun gesegnet und an die Gläubigen verteilt. Die Weihe soll die heilende, schützende und segnende Kraft der Pflanzen verstärken und zugleich Gottes Nähe in Haus, Hof und Familie bringen.
Im Jahr 2026 findet zusätzlich wieder die festliche Bergmesse in Hinterschindlau am Rengerberg statt, bei der ebenfalls Kräuterbuschen geweiht und verteilt werden – ein besonderes Erlebnis inmitten der prachtvollen Naturkulisse.
Symbolik und Segen
Der Brauch der Kräutersegnung ist mehr als eine schöne Tradition. Er steht für die tiefe Verbindung zwischen Glauben und Natur, zwischen spirituellem Vertrauen und praktischem Leben. In einer Zeit, in der viele Menschen die Nähe zur Natur wieder neu entdecken, erhält dieser alte Ritus eine besondere Aktualität. Die Kräuter sollen Segen, Schutz und Gesundheit ins Haus bringen, sie werden oft getrocknet und über das Jahr hinweg aufbewahrt – etwa über der Tür, beim Herrgottswinkel oder im Stall.
So bleiben sie ein Zeichen für das, was das Hochfest Mariä Himmelfahrt feiern möchte: Die Hoffnung auf Leben in Fülle, auf die Nähe Gottes im Alltag – und auf ein liebevoll getragenes Miteinander von Menschen, Natur und Himmel.



